Empathie schlägt Fläche

Gerhard Stuebe

Ein Gespräch mit dem Direktor von Kongresskultur Bregenz, Gerhard Stübe

Das Raumangebot, international gesehen ist groß, aber nicht jeder hat ein Festspielhaus zu vermieten. Wie gehen Sie mit diesem Privileg um?

Ich bin sehr froh, dass ich meinen Kunden für ihre Tagungen, ihre Symposien, ihre Begegnungsplattformen oder für ihre Hochzeiten unser Haus mit seinen unterschiedlichen atmosphärischen Möglichkeiten anbieten kann. Bei uns gibt es Räume, die mit Emotionen, Geschichten und Menschen beseelt werden können, ich bin mir dieses Vorteils bewusst.

 

Das reine »Flächen-Vermieten« scheint in vielen Köpfen, auch leitenden Köpfen der Branche, noch stark verankert zu sein, wie stehen Sie dazu?

Ich denke, wir sollten mit unseren Kunden nicht in erster Linie über Räume und Flächen reden. Eigentlich sind wir in unserer Branche ja wirklich privilegiert. Uns bietet sich die einmalige Chance, anderen dabei zu helfen, noch bekannter, erfolgreicher oder erfahrener zu werden. Ein Schmelztiegel für Glückshormone!

 

Und wie setzt man diese Glückshormone frei?

Durch gutes Zuhören in den Erstgesprächen, durch Mitdenken, durch Verständnis dafür, was unsere Kunden mit ihrer Veranstaltung bewirken wollen. Und durch die Begeisterung aller Mitwirkenden. Wir müssen unseren Kunden schon während der Vorbereitung auf eine Veranstaltung alle Wünsche von den Augen ablesen und ihnen das Gefühl vermitteln, bei uns gut aufgehoben zu sein. Das heißt: Empathie schlägt Fläche.

 

Das klingt nach der perfekten Dienstleistung.

Ja, weil Dienstleistung nicht irgendeine Tätigkeit ist, sondern eine Haltung. Haltung sich selbst gegenüber, seiner Aufgabe gegenüber und den Kunden gegenüber. Entweder ich gehe darin auf, oder ich lasse es sein.

 

Ist diese Einstellung durchzuhalten?

Wenn man sich bewusst darauf einlässt, ist es ein wunderbarer Kreislauf, der alle nährt. Und zwar auf »fair trade«-Basis und höchst gesund, sowohl für die Dienstleister als auch für diejenigen, die sie empfangen.

 

Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führte Wolfgang Mörth.

Foto: Anja Köhler