micelab:bodensee – Branchenwandel als positive Herausforderung

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Zweites Lernmodul micelab:experts ging im Würth Haus Rorschach erfolgreich über die Bühne

Von 11. bis 13. April 2017 war das Würth Haus Treffpunkt für fünfzig Veranstaltungsexperten aus dem gesamten Bodenseeraum: Beim zweiten micelab:experts der Weiterbildungsplattform micelab:bodensee teilten die Teilnehmer ihre Erfahrungen, wie sie den Wandel ihrer Branche erleben. Sie lernten von- und miteinander, wie sie Veränderungen in ihrer Branche selbst gestalten und neuen Herausforderungen begegnen können. Und zwar mit Leichtigkeit und einem neuen Rollenverständnis als echte Berater.

 

Persönliche Erlebnisse zum Thema Wandel waren der Ausgangspunkt des zweiten micelab:experts, das im April im Würth Haus Rorschach stattfand. Fünfzig Akteure aus der Veranstaltungsbranche nahmen daran teil. Acht davon erzählten in Kleingruppen ihre Geschichten von Erfolg oder Scheitern. Ausgehend von der These: Ich bin der Wandel.

 

In mehreren Reflexionsrunden deckten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, was es braucht, damit Wandel gelingt. „Erzähler wie Zuhörer haben erfahren, dass Storytelling eine sehr wirksame Form ist, um Lernerfahrungen zu teilen. Da gab es Aha-Erlebnisse auf beiden Seiten“, berichtet Kurator Michael Gleich. Auch Kongresskultur Bregenz war mit fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie drei seiner Kundinnen und Kunden beim micelab:experts vertreten.  

 

Von wegen: Kann ich nicht! Die Teilnehmer des micelab:experts machten eine neue Erfahrung.

Mut, Neues auszuprobieren

Sowohl der Mut, ein Risiko einzugehen, als auch die Bereitschaft zu scheitern, seien für Veränderungen notwendig. Wie man dazu kommt, vermittelte Christian Maier-Straub als weiterer Trainer spielerisch: Er beschäftigt sich mit „inner game“ und nutzt Körperbewegung, um das „innere Spiel“ von Antreibern und Blockierern erfahrbar zu machen. Die Experts konfrontierte er mit ihrem eigenen Mut und ihren Unsicherheiten beim Jonglieren. „Auf die Frage, wer jonglieren möchte, meldete sich bei allen gleich die innere Stimme: Das kann ich nicht“, so Maier-Straub.

 

In kleinen Schritten näherten sich die Teilnehmer aber schon nach kurzer Zeit der Fähigkeit an. „Die ‚Jongleure‘ nahmen es als beglückende Erfahrung wahr, dass Lernen ganz leicht sein kann, und es nur die Bereitschaft braucht, sich auf Unbekanntes einzulassen“, resümiert Kurator Michael Gleich. Eine Erkenntnis, die privat wie beruflich weiterhilft.

 

Zentrale Frage beim Thema „Wandel“: Wie bringe ich Kunden dazu, Neues auszuprobieren?Echter Berater statt Bereitsteller

Daran anknüpfend lautete die entscheidende Frage: Wie lassen sich auch Kunden davon überzeugen, bei Veranstaltungen Neues auszuprobieren? „Schlägt ein Mitarbeiter eines Veranstaltungshauses einem Kunden neue Herangehensweisen oder Formate vor, dann bewegt er sich auf einem schmalen Grat zwischen Beratung aus eigener Begeisterung und Missionierung aus Besserwisserei“, beschreibt Michael Gleich die Herausforderung.

 

Wenn die eigene Begeisterung echt sei, kann sie auf Kunden ansteckend wirken und neugierig machen, ist Kuratorin und Veranstaltungsdramaturgin Tina Gadow überzeugt. Wichtig sei, mit Kunden präzise über Ziele der Veranstaltung zu sprechen. „Man muss selbst nicht alles wissen oder können. Wichtig ist, Fragen zu stellen, um an den Kern vorzudringen und ein gemeinsames Verständnis für das Gesamtkunstwerk zu erlangen. Die eigene Rolle wandelt sich dabei immer mehr vom reinen Bereitsteller von Räumen zum echten Berater“, so Gadow.

 

Event Canvas – eine der Methoden, die die 50 Experten während des micelab:experts II ausprobierten.Formate wie Filmmusik

Fast nebenbei probierten die Experten zahlreiche Formate aus. Am Ende waren sie überrascht, wie viele verschiedene Methoden sie in den zweieinhalb Tagen eingesetzt hatten. Das Diskussionsformat Fishbowl, das Tool Event Canvas, Geh-Spräche, Kleingruppen, bewegtes Feedback, ein mice:slam und vor allem Collective Story Harvesting zählten zu den Arbeitsformen.

 

„Es gibt unendlich viele Methoden, Ansätze und Formate mit tollen Namen. Letztlich haben sie immer nur dienende Funktion: Sie sollen helfen, die Ziele einer Veranstaltung zu erreichen“, sagt Tina Gadow. Die Kuratorin vergleicht Formate mit Filmmusik. „Sie wirken, ohne dass sie bewusst wahrgenommen werden. Sie unterstützen, sind aber nicht selbst das Thema.“

 

 

Persönliche Geschichten über den Wandel erzählten einige Teilnehmer in Kleingruppen.

Kollegialer Austausch

Einfache Kunstgriffe ermöglichten Begegnungen zwischen jenen, die sich noch nicht kannten. Gruppen mischten sich immer wieder neu. So gelang beim micelab:experts von Anfang an der kollegiale Austausch über Landes- und Unternehmensgrenzen hinweg. Hilfreich waren auch das unkomplizierte Zusammensein am Abend, die Übernachtung im selben Hotel, die Zufallstischordnung beim Abendessen und die selbst durchgeführten Umbauten.

 

Die Experts sahen dies als Gewinn. „Wir haben einander kennengelernt und Vertrauen gewonnen. Da greife ich in Zukunft sicher schneller zum Telefon, um mir bei Kollegen am Bodensee Rat zu holen“, meldete eine Teilnehmerin zurück.

 

Anregungen für lebendige Events

„Die Rückmeldungen der Experten motivieren für das nächste Modul“, freute sich Tina Gadow. Sehr positiv erlebt wurde etwa der Ansporn, Routinen des Tagesgeschäfts und die eigene Rolle zu hinterfragen. Offenheit, wieder einmal visionär denken können und Anregungen für lebendige Veranstaltungen zu bekommen, kamen ebenso gut an.

 

Das nächste micelab:experts findet von 6. bis 8. November 2017 im Bodenseeforum Konstanz statt. Weitere Informationen unter www.micelab-bodensee.com.

 

 

(pzwei)

Zeichnungen: micelab:bodensee/Jaron Gyger

Fotos: micelab:bodensee/Franz Sauerstein