Vom Keller hinauf …

… zur Bühne unter freiem Himmel: Technikdirektor Gerd Alfons feiert 30-jähriges Dienstjubiläum

Bregenz, 10.1.14. Er baut blaue Riesenfüße, fabelhafte Drachenhunde und wenn es sein muss auch eine überdimensionale Männerleiche in den Bodensee. Dabei ist dem gebürtigen Niederösterreicher nach eigenem Bekunden am liebsten, „wenn man die Technik bei einer Opernvorstellung gar nicht bemerkt“. In diesem Jahr feiert Technikdirektor Gerd Alfons sein 30-jähriges Dienstjubiläum im Bregenzer Festspielhaus. Der international gefragte Fachmann ist damit einer der dienstältesten Mitarbeiter des Kultur- und Kongresszentrums. Begonnen hat seine Karriere im künstlerischen Untergrund der Nach-68er-Zeit. 

 

Verantwortung für mehr als 300 Veranstaltungen jährlich

Seit seinem Amtsantritt verhalf der 1950 in Wiener Neustadt geborene Betriebswirtschaftler, Bautechniker, Beleuchtungs- und Bühnenmeister bislang 16 Opernkulissen auf der Seebühne zu glanzvollen Premieren, darunter die von zwei Baukranen flankierten monumentalen Füße von Aida (2009 und 2010), einen 24 Meter aus dem Wasser ragender Männertorso des in der Badewanne ermordeten Revolutionsführers Jean-Paul Marat der Oper André Chénier (2011 und 2012) oder die feuerspuckenden Fabelwesen des aktuellen Spiels auf dem See Die Zauberflöte. Daneben zeichnet Alfons für das technische Gelingen von weiteren rund 60 Aufführungen innerhalb des Festspielsommers sowie rund 250 Kongressen und weiterer Veranstaltungen des Festspielhauses Bregenz verantwortlich mit insgesamt rund 400.000 Besuchern jährlich. 

 

Start in der Wiener Off-Szene

Seine Karriere begann in deutlich kleineren Dimensionen: Während des Studiums Anfang der 1970er Jahre rückte Alfons als Beleuchter verschiedene Wiener Kellertheater ins rechte Licht und war ein gefragter Bühnentechniker der dortigen Off-Szene. Von dieser Zeit profitiere er heute noch, denn man lerne dabei „Verantwortung zu übernehmen sowie pragmatisch und lösungsorientiert zu handeln. Dinge, die im Großen noch hilfreicher sind als im Kleinen.“ In dieser Zeit sammelte Alfons an der Volksoper Wien weitere praktische Erfahrungen als Beleuchtungshelfer, bei den Bayreuther Festspielen lernte er nicht nur den professionellen Festspielbetrieb sondern auch seine heutige Ehefrau kennen, die ebenfalls als Bühnentechnikerin einen Sommer-Job bei dem Wagnerfestival absolvierte.

 

Innovative Lösungen, kühne Ideen

1978 nahm Alfons erstmals im Chefsessel Platz: Am Stadttheater Klagenfurt leitete er fünf Jahre die technische Abteilung ehe 1983 die Bregenzer Festspiele anklopften, im Januar 1984 war der Wechsel an den Bodensee vollzogen. Der damalige Intendant Alfred Wopmann war erst wenige Monate im Amt und mit der Neukonzeption des Festivals beauftragt. Er brauchte innovative technische Lösungen für kühne künstlerische Ideen unter freiem Himmel. Es folgte die Zeit eines bis heute anhaltenden künstlerischen und wirtschaftlichen Aufschwungs des Kulturunternehmens, die Opernwelt blickte jeden Sommer faszinierter auf die theatralischen und durchaus auch technischen Geschehnisse der Bühne im Vorarlberger Bodensee. Die Opernaufführungen drinnen im Festspielhaus, einer der größten Opernbühnen europaweit, wuchsen als ein weiteres Standbein der sogenannten Bregenzer Dramaturgie heran. Parallel dazu entwickelte sich das Festspielhaus Bregenz auch unter dem Mittun Alfons‘ zu einem international vielbeachteten Veranstaltungszentrum, in dem Produktneuheiten von Weltmarktführern ebenso ihre Präsentations-Bühne finden wie Verbände oder Vereine.

 

Querdenker mit brillanten Planungsfähigkeiten

An der Entwicklung des weltweit einzigartigen Tonsystems BOA (Bregenz Open Acoustics) auf der Seebühne war Alfons federführend beteiligt, ebenso trug er maßgeblich zu den baulichen Sanierungen und Erweiterungen des Bregenzer Festspielhauses in den Jahren 1997 und 2006 bei. Auf einer streng geheimen Führung durch das Festspielhaus überzeugte er im Juni 2007 die James Bond-Produzentin Barbara Broccoli und ihr Team von den phantastischen Möglichkeiten eines Filmdrehs in Bregenz, der zehn Monate später für den 007-Streifen „Ein Quantum Trost“ verwirklicht wurde. Dem ZDF ebnete er im Sommer 2008 den Weg für die technisch höchst aufwendige EM-Arena auf der Seebühne. In der Veranstaltungs-Branche gilt der Bregenzer Technikchef als innovativer Querdenker mit brillanten Planungsfähigkeiten. Auf internationalen Fachtagungen ist er hochgeschätzter Experte. Nicht selten besuchen Delegationen aus den aufstrebenden Regionen des fernen und mittleren Ostens das Bregenzer Festspielhaus, um von dem Träger des Silbernen Ehrenzeichens der Republik Österreich aus erster Hand beim Bau von Bühnen oder Veranstaltungszentren Rat einzuholen.

 

„Als sich Gerd Alfons 1983 beim Festspielhaus Bregenz vorstellte, hatte er bereits konkrete Pläne, so zum Beispiel die bauliche Erweiterung des Festspielhauses, für die Alfred Wopmann den Anstoß gab und die einige Jahre später tatsächlich in einer großartigen Teamleistung fast identisch realisiert wurde. Außerdem waren heutige Themen bereits damals wichtig für ihn, beispielsweise Arbeitnehmerschutz, Kostenverfolgung und Schadenreduzierung. Gerd Alfons steht für mich für Fleiß, Ehrgeiz, Motivation, Ehrlichkeit und ein beispielloses Engagement für die Sache“, sagte der kaufmännische Direktor Michael Diem anlässlich einer Feierstunde im Festspielhaus.

 

„Gerd Alfons hat stets das ‚Große Ganze‘ im Auge mit dem sprichwörtlichen Blick weit über den eigenen Tellerrand hinaus. Seine Weitsicht und die Leistungen seiner Mannschaft trugen wesentlich zur erfolgreichen Entwicklung des Festspielhauses Bregenz als internationale Top-Location bei“, erklärt Festspielhaus Direktor Gerhard Stübe.

 

Der letzte Vorhang

Derzeit laufen bereits die Planungen für die Opernkulisse von Turandot, das Spiel auf dem See der Jahre 2015 und 2016. Alfons und seine Mannschaft bereiten anhand eines Miniatur-Bühnenbildmodells und Computer-Simulationen die Ausschreibungen für die zahlreichen Baufirmen vor. Aufträge in Millionenhöhe müssen zeitgerecht vergeben werden, im Herbst ist Baubeginn. Die Premiere der Puccini-Oper dürfte für ihn in jeglicher Hinsicht eine besondere werden: Wenn der Schlussakkord an einem lauen Sommerabend über den sanften Wogen des Bodensees verklungen ist und Ruhe einkehrt, dann fällt auch für Gerd Alfons der letzte Vorhang als Technikchef in Bregenz. Er geht nach der Festspielsaison 2015 in Ruhestand. Das plant er bereits seit Jahren.  

 

 

Bilder: „30 Jahre Alf“ – diese Aufschrift trug die schokoladige Sachertorte zu Ehren des Jubilars Gerd Alfons. Der langjährige technische Direktor des Festspielhauses Bregenz und der Bregenzer Festspiele wurde am 7.1.14 für seine 30-Jährige Firmenzugehörigkeit geehrt. Überrascht haben ihn unter anderem der Geschäftsführer der Bregenzer Festspiele und des Festspielhauses Michael Diem, Operndirektorin Susanne Schmidt sowie zahlreiche Weggefährten innerhalb des Unternehmens mit einem Umtrunk mit Blick auf die Seebühne.

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Presseaussendung Jubiläum Gerd Alfons - Word

Presseaussendung Jubiläum Gerd Alfons - PDF

Michael Diem und Gerd Alfons - 30-jähriges Dienstjubiläum

© Kongresskultur Bregenz / Dietmar Mathis

Michael Diem, Gerd Alfons und Susanne Schmidt - 30-jähriges Dienstjubiläum

© Kongresskultur Bregenz / Dietmar Mathis