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Eine neue Hose für den Dirigenten

Das Recht des Publikums auf einen gelungenen Abend

Jeder kennt Sätze wie: »Hürden sind da, um übersprungen zu werden«, oder: »Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen«. Im richtigen Moment ausgesprochen, tun sie sicher ihre Wirkung. Aber damit eine Veranstaltung nach vorne einen entspannten Eindruck macht, sind hinter den Kulissen vor allem seriöse Arbeit und viele richtige Entscheidungen nötig. Und dennoch geht nicht immer alles glatt.

Eine neue Hose für den Dirigenten

Veranstalter, die sich zum ersten Mal an Kongresskultur Bregenz wenden, bekommen es in der Regel mit Peter Spritzendorfer zu tun. Typ Fels in der Brandung, augenscheinlich herzlich, wenn’s drauf ankommt auch hart – zu sich selbst. Er hat den Überblick über alle technischen Belange und weiß deshalb, was geht und was man besser nicht probieren sollte. Er vermittelt die Philosophie von Kongresskultur Bregenz folgendermaßen: Eine Veranstaltung muss zu uns passen. Alles, was mit Tieren, Erotik oder Sekten zu tun hat, geht bei uns nicht. Kulturelles immer. Da haben wir die Möglichkeit, kreativ zu sein.

 

Wie war das übrigens mit der Hose des Dirigenten? Das war nichts Besonderes. Der Maestro hatte seine Gala-Hose im Hotel vergessen und wir haben ihm eine andere besorgt. Wie? Einer der Musiker hat ihm einfach seine für den ersten Akt geliehen. Aber womit ist der dann im Orchester gesessen? Der hat ohne Hose in der Garderobe gewartet, sein Einsatz im Konzert war erst im zweiten Teil dran. Zu diesem Zeitpunkt war die Originalhose dann schon mit dem Taxi eingetroffen. Und wie hieß der Dirigent? Das bleibt geheim.

 

Die heikelsten Events sind für Peter Spritzendorfer die Festspieleröffnungen. Viel Politik, viele Ehrengäste, die gesamte internationale Presse. Von der Kriminalpolizei mit ihren Sprengstoffhunden gar nicht zu reden. Damit alles funktioniert, muss man jede Kleinigkeit im Auge behalten. Dazu gehört Erfahrung. Jedes Detail kann plötzlich enorm wichtig werden. Zum Beispiel die Kulisse, vor der die Ministerin ihre Rede hält. Die Fernsehkameras decken gnadenlos auf, wenn das gewählte Kleid sich mit dem Hintergrund schlägt.

 

Einmal passiert Folgendes: Eine Dreiviertelstunde vor dem ersten Takt des Eröffnungskonzertes fällt eine der großen Seitenwände auf die Bühne. Die Musikerstühle und Notenpulte sind demoliert, aber dafür gibt es immer genügend Ersatz. Schlimmer ist, dass sich die bereits hergerichteten Partituren von 80 Musikern wild flatternd im Raum verteilen. In so einem Moment beweist es sich, ob im Haus Zusammenhalt herrscht, ob alle bereit sind, für den anderen einzustehen, damit die Veranstaltung pünktlich beginnen kann. Aber auch harmloser klingende Situationen müssen geklärt werden. Wenn Elton John zum Beispiel sofort seinen Lieblingswein in die Garderobe serviert haben möchte oder André Rieu Geranien in einer ganz bestimmten Farbe.

 

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Kongresskultur Bregenz anders ist. Hier herrscht kein Staatstheater-Denken. Jeder ist, wenn nötig, für alles zuständig. Die hauseigenen Techniker helfen den Gastspiel-Technikern selbstverständlich beim Ein- und Ausladen ihrer LKWs. Und wenn die Gäste dann erkennen, welche überraschenden Möglichkeiten ihnen zum Beispiel die Lichtanlage des Festspielhauses bietet, dann ändern sie mitunter spontan den Beleuchtungsplan. Auch das ist meistens kein Problem, sagt Peter Spritzendorfer, und er muss es wissen.

 

(wm)

Peter Spritzendorfer

Im Unternehmen seit 1984. Leiter des Veranstaltungsmanagements. Zudem verantwortlich für den Publikumsservice, die Reinigungsabteilung und die Portiersloge.

Referenzen – Geschichten von kleinen Gesten und großen Ereignissen

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Themenheft „Referenzen – Geschichten von kleinen Gesten und großen Ereignissen“. Das gesamte Heft mit mehr Referenzgeschichten können Sie hier digital durchsehen.
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