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Kongress und Kultur fühlen sich sehr wohl, wo sie sind

Frau Kultur und Herr Kongress sind gerade mit der Gondel auf den Pfänder hinaufgefahren und stehen nun am Aussichtspunkt unweit der Bergstation; unter ihnen die Stadt, das Tal, die Berge, der See und dahinter der Horizont. Und als wäre dieser Blick zu schön, um wahr zu sein, werden beide ein wenig nachdenklich.

Kongress und Kultur fühlen sich sehr wohl, wo sie sind

Kongress: Sie schweigen?

Kultur (melancholisch): Ja.

Kongress: Haben Sie etwas auf dem Herzen?

Kultur: Das könnte man so sagen. Wenn sich plötzlich eine solche Weite auftut, dann wird es zuerst einmal ganz still in mir drin.

Kongress: Dann verzeihen Sie bitte, dass ich Sie gestört habe.

Kultur: Sie stören mich nie, das wissen Sie doch.

Sie schweigen gemeinsam.

Kongress: Würden Sie mir verraten, was Sie bei diesem Blick empfinden?

Kultur (lacht): Wäre seltsam gewesen, wenn Sie nicht doch nachgefragt hätten.

Kongress: Ich bin halt neugierig.

Kultur: Na gut. Meine Empfindungen sind ambivalent. Wie soll ich es ausdrücken? Ich fühle mich erhaben und doch klein. – Meine Güte, klingt das banal.

Kongress: Nein, wieso? Das bringt dieser Ort so mit sich. Man wird bescheiden hier oben, und zugleich ist man sich seiner selbst intensiv bewusst.

Kultur: Schöner hätte ich es auch nicht sagen können.

Kongress: Das aus Ihrem Mund zu hören, freut mich sehr.

Kultur: Aber ich meine noch etwas anderes. Ich sehe hier keine Grenzen und doch ist mir bewusst, dass ich vier Staaten, ein halbes Dutzend Länder und noch mehr Regionen mit ihren Städten und Gemeinden überblicke. Ich spüre diese Eigenwilligkeit überall, diesen starken Willen zur Einzigartigkeit, und doch weiß ich, dass alles ein großes Ganzes ist.

Kongress: Sie meinen Europa?

Kultur: Ja, Europa ist vielleicht kein schlechtes Wort dafür.

Kongress: Und hier kein schlechter Ort, um darüber nachzudenken.

Kultur: Sie meinen, weil wir hier weit weg sind von allen Parlamenten und Behörden?

Kongress: Nein, weil wir uns hier mittendrin befinden. Geografisch, geopolitisch...

Kultur: ...und kulturell. Einflüsse von überall her. Von hier aus ist es gleich weit nach Wien wie nach Paris.

Kongress: Genau! Hier versteht man beides, Kipferl und Croissant.

Kultur: Und hier sagt man Ciao und Tschüss und Servus und Hoi...

Kongress: ...und isst Tafelspitz und Kässpätzle und Zürcher Geschnetzeltes und Flammkuchen und...

Kultur: Haben Sie nicht auch einen Riesenhunger?

Kongress: Ja, und wie. Wie wär’s mit einem schönen Menü in der buehnedrei?

Kultur: Wunderbare Idee.

Kongress: Dann sind wir auch wieder dort, wo wir beide hingehören.

Kultur (lächelt): Ja, dort fragt man sich wahrscheinlich schon, wo sie denn so lange bleiben, die beiden Unzertrennlichen.

Vertrauensvoll hakt sich Frau Kultur bei Herrn Kongress unter und lehnt sogar, während sie zur Bergstation aufbrechen, kurz ihren Kopf an seine Schulter.

 

(wm)

Erster Teil

Erster Teil

Lesen Sie hier den ersten Teil des Zwiegesprächs zwischen Kongress und Kultur.
Zweiter Teil

Zweiter Teil

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Zwiegesprächs zwischen Kongress und Kultur.

Themenheft "Die feinen Unterschiede - Bregenz und Umgebung für neugierige Gäste"

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