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Mein Sotschi-Tagebuch

Festspielhaus-Direktor Gerhard Stübe ist während der Olympischen Winterspiele Leiter des Austria Tirol House und berichtet direkt aus Sotschi.

Das Festspielhaus Bregenz ist offizieller Partner des Österreichischen Olympischen Comités.

Mein Sotschi-Tagebuch

Der Tag nach den Olympischen Winterspiele, 24.02.2014

Auf Wiedersehen Sotschi!

Es ist ruhig geworden im Austria Tirol House. Die alles überragende Feier der fünf Medaillenträger des vergangenen Samstag ist gut überstanden, die letzte Gästegruppe wurde herzlich verabschiedet. Schülerinnen und Schüler packen ihre Koffer, die Küche bereitet die interne Abschiedsfeier vor. Wir freuen uns darauf, mit sämtlichen helfenden Händen die vergangenen drei Wochen Revue passieren zu lassen. Eindrücke und Erlebnisse werden reflektiert. Es fällt schwer, die vielen Bilder im Kopf festhalten zu können. Einige haben sich dennoch tief eingeprägt und werden vermutlich auch noch sehr lange nachhallen.

Erinnerungen bewahren

Das Ankommen in Krasnaja Poljana. Viel Beton, hohe Zäune, überall Polizei und Wachpersonal. Das klare Gefühl, sicher zu sein. Tage, die vergehen wie Stunden. Da war die erste Medaillenfeier mit Dominik Landertinger, dann das Juchzen von Matthias Mayers Mama nach der Siegesfahrt ihres Goldjungen, zeitgleich mit dem Besuch des Russischen Präsidenten. Die erfreuliche Tatsache nach der ersten Woche, dass das “Haus-Orchester” bereits sehr gut harmoniert. Ausschließlich freudige Gesichter und zufriedene Gäste. Eine Heerschar an ehemaligen Olympiasiegern. Die Gänsehaut bei den Siegesfeiern inklusive der Dankbarkeit der auswärtigen Medaillengewinner, ebenfalls bei uns feiern zu dürfen. Die unglaubliche Motivation und Flexibilität unserer Küchen- und Servicecrew. Journalisten, die nicht nur über die laufenden Bewerbe berichten, sondern auch über die typisch österreichische Gastfreundschaft. Die vielen herzlichen Umarmungen zahlreicher Gäste: Sportler, Ehrengäste, Manager und Politiker. Freundschaften, die sich entwickelten. Die Bergregion um Roza Khutor, die einen intensiveren Besuch wert wäre. Die Doppelmayr-Weltneuheiten an Seilbahnen. Der strahlend blaue Himmel. Das unbarmherzige Aufstehen nach durchschnittlich fünf Stunden Schlaf. Die Kraft, die man mit der Zeit entwickelt, um eine solche Aufgabe bewältigen zu können. Die ausschließlich helfenden Hände im Austria Tirol House. Die Goldmedaille für Gastgeberschaft, die die Schweizer Tageszeitung “Blick” uns Österreichern für das Austria Tirol House verliehen hat. Dr. Andreas Lotz, der stets für alle kleineren aber auch größeren Wehwehchen zur Verfügung stand. Die Entbehrung der eigenen Familie.

 

Dankbar ob der großen Chance an einem Sportereignis dieser Dimension dabei gewesen zu sein, schließe ich nun mein Tagebuch und bedanke mich für Ihr Interesse an den täglichen Berichten aus der Olympia-Region Sotschi.

 

da ßwidànja, Sochi!

Bild: Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

15. Tag der Olympischen Winterspiele, 22.02.2014

Sieben Engel fürs Austria Tirol House

Jedes Projekt braucht seine guten Engel, ohne die kein Erfolg zu erreichen wäre. Meistens sind es nicht unbedingt jene, die im Vordergrund stehen, die in die Foto- und Filmkameras blicken, mit VIP-Ausweisen an der Masse vorbeispazieren, an Bars oder Gästetischen Platz nehmen. Es sind vielmehr jene, deren Qualitäten darin liegen, aus der völligen Unscheinbarkeit heraus im Hintergrund die Fäden in den Händen zu halten, die das Fangnetz für das schlußendliche Gelingen einer Veranstaltung ausmachen.

 

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden heute nicht von besonderen Events, großen Sportlern, prominenten Gästen oder konkreten Ereignissen im Austria Tirol House zu berichten, sondern mit diesem Tagebuch-Eintrag stellvertretend sieben dieser Engel hervorzuheben.

 

Roman, Logistik-Mitarbeiter von Seidl Catering

Roman, russisch-stämmiger Logistik-Mitarbeiter von Seidl Catering aus Götzis, reiste mit Ernst Seidl bereits im Januar nach Sotschi. Gäbe es ihn nicht, wären die zu überwindenden Hürden weit höher gewesen. So würden zwanzig Betten im benachbarten Hotel fehlen, zahlreiche nicht- oder falsch gelieferte Lebensmittel hätten nicht ersetzt und dutzende angedrohte Strafen der Polizei nicht vermieden werden können. Er ist täglich in der 165 Kilometer langen Stadt an der Schwarzmeerküste unterwegs. Bislang fuhr er ca. 4.500 Kilometer zwischen der Küste und den Bergen auf und ab.

Uli und Natalie, Raumpflegerinnen im ATH

Uli und Natalie, die beiden Raumpflegerinnen, die sich einerseits hauptsächlich um den Abwasch in der Küche kümmern, andererseits für die Sauberkeit der Toilettenanlagen zuständig sind. Ohne Wenn und Aber sind sie in den intensiven Abendstunden stündlich auf Kontrollgang. Auch von chronischen Wirbelproblemen lassen sie sich nicht unterkriegen und haben stets ein Lächeln im Gesicht.

 

Thomas, Hausmeister des ATH

Thomas, unser Hausmeister. Ohne ihn läuft keine Heizung und fließt kein Strom. Er dreht jede Schraube dorthin, wo man sie braucht, erweist sich als Elektriker ebenso talentiert wie als Tischler – wenn beispielsweise nach einer Goldfeier das Inventar etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde.

 

Hubert und Manfred

Hubert und Manfred, unsere Tausendsassa, schieben nach zehn Stunden Dienst bis frühmorgens um 05:00 Uhr eine weitere Schicht ein, weil die in Sotschi gekauften Barhocker (160 Stück) falsch bis gar nicht verschraubt wurden und schon nach dem ersten Tag reihenweise auseinander fielen.

“Mama” Barbara

“Mama” Barbara, die mit ihren Mädels für die gesamte Wäsche zuständig ist und sich nicht scheut, als Professorin mit den Schülerinnen Tag für Tag zu waschen und zu bügeln (auch ich durfte davon schon profitieren).

 

balschoje ßpaßiba, Roman, Uli, Natalie, Thomas, Hubert, Manfred, Barbara, stellvertretend für alle Engel im Austria Tirol House, die den Erfolg unserer Gastgeberschaft ermöglicht haben!

Bild oben: Roman, Logistik-Mitarbeiter von Seidl Catering, (© Festspielhaus Bregenz)
Bild unten: hinten Hubert Feuerstein, vorne Manfred Seidl (Onkel von Ernst), (© Festspielhaus Bregenz)

14. Tag der Olympischen Winterspiele, 21.02.2014

Gut gelernt ist halb gewonnen: unser Nachwuchs im olympischen Einsatz

Was ist das für ein Erlebnis für die 36 Schülerinnen und Schüler der vier anwesenden Tourismusschulen aus Landeck, Innsbruck, dem Zillertal und Bad Gleichenberg: Dabei zu sein bei den Olympischen Spielen, mitten unter den absoluten Sportstars und dabei die österreichische Gastfreundschaft auf allerbeste Art und Weise unter Beweis stellen zu dürfen.

Stützen des Erfolgs

Gleich von Beginn an werden alle Schülerinnen und Schüler in die Vorbereitungsarbeiten integriert. Horst Rosegger – übrigens ein direkter Abkomme des berühmten Peter Rosegger – teilt seine kräftigen Jungs aus Bad Gleichberg zum Schneeschaufeln ein. Ein weiterer seiner Truppe erweist sich als hervorragender Tischler und bastelt mit Hausmeister Thomas an jenen Teilen im Umfeld des Austria Tirol House, die noch kurzfristig verändert werden müssen. Die jungen Talente avisieren durch ihre Professionalität sehr schnell zu wirklichen Stützen des Erfolgs des Hauses.

 

Motivation ist alles

Aber auch nach fast zwei Wochen harter Arbeit sind die Schülerinnen und Schüler noch immer voller Motivation. Der Beweis: Eines der Mädchen aus Landeck hat sich am Knöchel verletzt, Dr. Andreas Lotz verschreibt ihr Ruhe und taped ihren Fuß. Dennoch lässt sie sich in keinster Weise davon abbringen, sitzend in der Küche beim Kartoffelschälen zu helfen. Zu sehr will auch sie ihren Beitrag zum Gelingen unseres Projekts leisten. Dazu trägt mit Sicherheit auch der Umstand bei, dass die eingeteilten Lehrer nicht nur die Aufsicht über ihre Schüler haben, sondern zu hundert Prozent vorbildhaft und engagiert mitarbeiten. Egal ob im Service oder an der Bügelstation.

 

Prof. Barbara Ginther, Lehrerin aus Landeck, berichtet, dass es unter den Schülerinnen und Schülern aber dennoch auch Situationen gibt, die es zu bewältigen gilt: “Da sind wir Lehrer dann gefragt. Und zwar nicht mehr als die Frau Professor, sondern als Babsi, die als Freundin hilft, die Motivation wiederzufinden. Vor allem das Weitergeben des Lobs der Gäste ist ein großer Motivations-Faktor”.

 

Prinz lobt Seidl-Küche

So war auch Prinz Albert von Monaco voll des Lobes für die Seidl-Küche sowie die herzliche und freundliche Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler. Insgesamt teilen die Schulen zehn Dienste mit dem Personal von Seidl Catering. Zuständig für die Einteilung ist Simon. Als Serviceleiter koordiniert er das gesamte Personal, brieft die Diensthabenden täglich vor dem Dinner und ist auch für die Sitzplanung in der Olympic Hall verantwortlich. Die erste Schicht beginnt um 08:00 Uhr, die letzte endet mit der Sperrstunde. Also zwischen 01:30 und 04:00 Uhr.

Noten sind nicht alles

Ich möchte wissen, nach welchen Kriterien die Schülerinnen und Schüler ausgesucht wurden. Christoph Gredler, der Betreuer der Schülerinnen und Schüler aus dem Zillertal erzählt, dass er die Kandidatinnen für das olympische Abenteuer ausgesucht hat. Ihm war dabei wichtig, dass jene eine Chance erhalten, die gute Noten im Bereich Service und Küche vorweisen können. Barbara berichtet, dass auch ihre Schule die Schülerinnen und Schüler nach deren Noten ausgesucht hat – „auch wenn Noten natürlich nicht alles sind im Leben“.

 

Eine andere Motivationsmöglichkeit ist auch der Besuch von olympischen Wettbewerben: “Wir versuchen die jungen Leute so oft es uns möglich ist, mit Karten für die Sportbewerbe zu versorgen. Die Abwechslung erhält die Freude an der Arbeit”, meint Catering-Chef Ernst Seidl.

 

Peter Kojat, Lehrer an der berühmten Villa Blanca in Innsbruck, kommt mit einem Wunsch auf uns zu. Einer seiner Schüler, Martin, musste seine bereits fix eingeplanten Karten bislang dreimal zurückgeben, weil er für erkrankte Kolleginnen einspringen musste. Sein größter Wunsch wäre, den österreichischen Slalom-Assen im Ski-Stadion die Daumen drücken zu dürfen. Die Karte ist organisiert, Martin überglücklich.

Bild oben: Gerhard Stübe (vorne rechts) mit Teilen der Service- und Küchen-Crew des ATH (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild unten: Die Lehrer der Tourismusschulen (von links) Christoph Gredler, Barbara Ginther, Peter Kojat, Horst Rosegger (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

13. Tag der Olympischen Winterspiele, 20.02.2014

Arbeit und Zukunft für die Kinder Sotschis

Gestern habe ich mich mit Ksenia, Fedor und Nikita getroffen. Unsere hauseigene Dolmetscherin, Anastasia, unterstützt mich bei dem Gespräch. Alle drei sind Kinder Sotschis und auch hier aufgewachsen. Ksenia und Fedor sind ein Paar und erwarten im April ihr erstes gemeinsames Kind. Nikita ist der Bruder von Fedor und noch Schüler. Zu dem Gespräch kann er dazukommen, da er momentan ohnehin Ferien hat. Die Schulen in Sotschi bleiben für die gesamte Zeit der Olympischen Spiele geschlossen. “Dafür hat das Schuljahr um zwei Wochen früher begonnen und die Frühjahrsferien wurden auch gekürzt”, erzählt Nikita. Die Spiele bringen für ihn als Schüler Veränderungen mit sich. “Man kommt jetzt mehr aus der Schule heraus, wir besichtigen die neuen Wettkampfstätten ebenso wie neu errichtete Museen.“

Hoffnung auf eine rosige Zukunft

Als die Entscheidung für Sotschi fiel, sei die ganze Region in Jubel verfallen, sagt Fedor. Keiner wusste zwar, was genau passieren wird, jedoch kam mit der Vergabe Hoffnung auf eine rosige Zukunft in die sonst “vergessene” Region an der Schwarzmeer-Küste. Die Stadt habe sich sehr verändert, bestätigen die drei. Die enorme Investition in neue öffentliche Infrastruktur wie Bahntrassen, Straßen, Gebäude, etc. brachte eine Vielzahl an neuen Arbeitsplätzen mit sich. Vor allem wurden junge, technisch ausgebildete Hochschulabsolventen eingestellt. Jetzt, da die (meisten) Bauten fertig gestellt wurden, bedarf es anderer Berufe: “Die Bauarbeiter sind fast alle schon weg, jetzt kommen jene, die die Bauten erhalten werden und den Tourismus ankurbeln”, so Ksenia. Auch für sie selbst ist ein Traum in Erfüllung gegangen: sie hat durch die Spiele in Sotschi ebenfalls Arbeit gefunden.

 

Nach Olympia ist vor der WM

Fedor schwärmt von den zukünftigen sportlichen Großereignissen, die den Olympischen Spielen in Sotschi folgen sollen. Die Formel 1 wird ab Herbst 2014 ihre Runden in der Küstenstadt drehen, König Fußball hält bei der WM 2018 Einzug in Sotschi und auch der Ski-Weltcup kommt wieder. Was passiert mit den vielen Wettkampfstätten nach den Spielen, wollte ich wissen. “Die meisten bleiben bestehen, der Rest wurde bereits in der Planungsphase so konzipiert, dass diese an anderen Orten in Russland wieder aufgebaut werden können”, weiß Fedor. Es gebe aber auch Verlierer innerhalb der Bevölkerung. Jene, deren Grund und Boden verstaatlicht wurde, um dort Sportstätten oder Bahnen bzw. Straßen zu bauen. Sie wurden nach Auskunft von Ksenia mit Ersatzwohnungen oder Häusern entschädigt.

 

“Sotschi ist einzigartig”

„Sotschi ist einzigartig. Wir haben alles, was wir brauchen. Hier ziehen keine Leute weg, es kommen viele in die Region, um ein neues Leben zu beginnen“, erzählt Fedor. „Zu Beginn der Bauarbeiten hatten wir einige Entbehrungen hin zu nehmen. Viel Lärm in der Stadt, viel Staub, oft weder Wasser noch Strom. Aber es hat sich definitiv gelohnt.“

 

Abschließend möchte ich wissen, was sich die jungen Leute von der Zukunft erhoffen: die Antwort ist schnell und klar und kommt mit einem Leuchten in den Augen: “Stabilität in unserem Leben, wir sind auf einem guten Weg”, sind sich die drei unisono sicher.

Bild: von links Nikita, Fedor, Ksenia und Dolmetscherin Anastasia (© Festspielhaus Bregenz)

Zwölfter Tag der Olympischen Winterspiele, 19.02.2014

Russisch-Österreichische Völkerverbindung

Es ist wieder ein strahlend schöner Tag in Rosa Khutor. Die sechs Musiker des Tirol Music Projects, die uns seit Beginn an bei allen Abenden im Austria Tirol House musikalisch begleiten, erfreuen die Besucher unseres öffentlichen Bar-Bereichs mit typisch Österreichischer Musik. Zahlreiche Gäste genießen die warmen Sonnenstrahlen, sämtliche Sonnenstühle sind belegt. Stefan Köb und sein Bar-Team geben Tiroler Gröstl, Wienerle und Brettl Jausn aus, dazu gibt‘s Bier in Tonkrügen oder auch besten Wein aus Österreich. Die Stimmung ist ausgelassen, vor allem Schweizer, Deutsche und russische Fans lassen sich von Österreichs Gastfreundschaft überzeugen. Nicole, eine Mitarbeiterin aus dem Zillertal, erklärt in perfektem Russisch einem Jungen, wie der “Hau den Lukas” funktioniert.

Mit Bass, Gitarre und Klarinette ab ins Zentrum

Ernst Seidl und ich beobachten das Geschehen und überlegen, wie wir eventuell noch mehr Fans ins Austria Tirol House bringen könnten. Kurzerhand bestellen wir zwei unserer Shuttle-Busse und bringen alle sechs Musiker inklusive Kontra-Bass, Gitarren, Klarinetten, Saxophon, Ziehharmonika und Cajon ins Zentrum von Rosa Khutor. Begleitet von Olja, einer russisch sprechenden Mitarbeiterin von Seidl Catering sowie Hubert Feuerstein, ebenfalls Catering-Mitarbeiter. Alle in traditionellem Österreich-Outfit gekleidet.

 

Medienrummel um Tiroler Musiker

Die Musikinstrumente sind noch nicht einmal ausgepackt, da bildet sich schon eine Traube von Menschen um die Tiroler Musiker. Als Hubert & Co die ersten Töne anspielen, sind sofort fünf Kamera-Teams anwesend. Karen, eine Reporterin aus Canada, will von uns wissen, woher wir kommen und ob wir uns in Sotschi wohlfühlen. Dutzende Bilder werden gemacht, Hubert und Olja verteilen die Informationen über das Austria Tirol House. Russische Polizei kommt und interessiert sich ebenfalls für uns. Jedoch nicht wie wir dachten, um uns zu bitten, das touristische Zentrum zu verlassen, sondern um ebenfalls Fotos mit den Musikern zu machen.

 

Es scheint, als hätten wir den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen. Österreich für eine Stunde im Herzen der hier zahlreich anwesenden olympischen Fans.

 

Szenenwechsel

Szenenwechsel. Wir entdecken ein im typischen Landesstil errichtetes russisches Dorf. Die Musiker beziehen ihre Position direkt neben dem Eingang und geben russisches Musikgut zum Besten. Es dauert nicht lange, bis wiederum eine Heerschar an Menschen den Klängen folgt. Plötzlich gesellen sich in bunte Trachten gekleidete Russinnen sowie original Kosaken zu unseren Musikern hinzu. Es entsteht ein Potpourri an internationalen Musikklängen. Olja und Hubert fordern spontan Leute auf, mit zu tanzen.

Völkerverbindung

Innerhalb kürzester Zeit entsteht das, wofür Österreich bekannt ist: Völker zu verbinden. Die musikalische Verschwester- und Verbrüderung findet auch wiederum das Interesse internationaler Presse. Der große amerikanische Sender NBC nutzt die Szenerie für zahlreiche Interviews mit unseren Musikern und informieren uns, dass der Bericht im nationalen amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Mit Kalinka-Klängen sind auch die Herzen der letzten zurückhaltenden Zaungästen erobert. Der ganze Platz tanzt und singt.

 

Das ist Völkerverbindung, das ist Olympia!

Bild oben: Hubert Feuerstein mit Kosake (© Festspielhaus Bregenz)
Bild unten: Russisch-Österreichische Völkerverständigung (© Festspielhaus Bregenz)

Elfter Tag der Olympischen Winterspiele, 18.02.2014

insight ORF: Wahl-Vorarlberger Oliver Polzer

Seine Kommentatoren-Stimme ist aus den Sportprogrammen des ORF nicht mehr wegzudenken. Stets zu humorvollen Kommentaren in seinen Übertragungen bereit, bedient der Neo-Schwarzacher hauptsächlich die alpinen Herrenrennen – sowohl im Weltcup als auch bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

 

Ich treffe Oliver im ORF-Studio von Sotschi. Dafür muss ich das Austria Tirol House nicht einmal verlassen, sondern durchschreite einfach eine Seitentür der Olympic Hall. Bei der Maske vorbei kommt man direkt ins schmuck eingerichtete Studio. “Unser Übertragungszentrum liegt im MBC (Mountain Broadcasting Center), ca. einen Kilometer vom Austria Tirol House entfernt”, erklärt Oliver. Sozusagen das Herzstück des ORF bei den Spielen.

Fernsehstudio und Kommentatoren-Kabine

Heute sowie die Tage zuvor moderiert Oliver die Sportsendungen im Fernsehstudio. Wenn “seine” Herrenbewerbe am Laufen sind, tauscht er das Studio wieder mit der Kommentatoren-Kabine im Zielgelände. Für ihn haben sich die Olympischen Spiele bereits zu Beginn bestens entwickelt. Durfte er doch gemeinsam mit “Komannschn”-Häuptling Armin Assinger den Goldlauf von Matthias Mayer kommentieren.

 

„Da wird gespielt, nicht gefoult“

Wie wir alle ist auch Oliver über Skype und facetime mit zu Hause verbunden. Dort warten seine Frau sowie zwei Kinder auf die Bilder des Papas im Fernsehen. Mittlerweile haben sich die Polzers gut im Ländle eingelebt. Oliver organisiert sämtliche berufliche Aufgaben von Vorarlberg aus und reist auch von Schwarzach aus zu den Weltcup-Rennen beziehungsweise Fußballspielen. Apropos Fußball: Oliver ist selbst begeisterter Sportler, vor allem alpiner Skilauf sowie Fußball und Tennis sind seine Steckenpferde. Im Dornbirner Forach gehört Oliver einer Hobby-Fußballmannschaft an. „Da wird gespielt, nicht gefoult“, stellt der sympathische Wiener klar.

 

Nächste Station: Fußballweltmeisterschaft in Brasilien

Gegen die Olympischen Spiele ist der Weltcup fast wie ein Spaziergang, erklärt er, die Spiele bedeuten einfach zwei Wochen durchgehend unter Strom zu stehen. Ohne große Pause. Aber darauf stellt sich Oliver ein, genauso wie auf seine nächste anstehende, große Kommentatoren-Aufgabe: die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. “Da kommt dann aber die Familie nach”, freut er sich schon jetzt.

Bild oben: Gerhard Stübe und Oliver Polzer (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Zehnter Tag der Olympischen Winterspiele, 17.02.2014

Merci vielmol, Öschterriech! Rote Rosen und Schweizer Gold im Österreich-Haus

Was war das für eine Demonstration von Gastfreundschaft! Es hätte eigentlich ein gemütlicher Abend für die Gäste der Firma Doppelmayr, des Tourismusverbandes Sölden-Ötztal und des ÖOC werden sollen. Da kam nachmittags der Hilferuf des Schweizer Bundesrats Maurer: “Hallo Peter (Mennel), im Schweizer Haus ist Geschlossene Gesellschaft, wir finden keinen Platz, um Sandro Vilettas Goldmedaille zu feiern. Könnt Ihr uns aufnehmen?”. “Bei uns in Österreich sind alle herzlich willkommen”, so die Antwort des ÖOC-Generalsekretärs.

“Geschlossener Gesellschaft”

Im Handumdrehen waren zwei weitere Tische gedeckt, trotz “Geschlossener Gesellschaft” auch im Austria Tirol House. Dem war aber noch nicht genug. Matthias Mayer und sein Team sowie Markus Prock fragen per Telefon nach einem Seidl-Abendessen für weitere dreißig Gäste. Auch dafür finden wir eine Lösung. Die gemütliche Kaminlounge wird eingedeckt. Spätestens zu dieser Zeit können wir erahnen, dass die Sperrstunde wieder einmal später stattfindet.

 

Den Reigen der Superstars des Abends eröffneten die “Haudegen” des Alpinen Schilaufs Bernhard Russi (für die Architektur der Herrenabfahrt in Sotschi zuständig) sowie Doppelweltmeister Markus Wasmeier. Auf Einladung von Sölden gab sich auch Bode Miller mit Frau Morgan ein Stelldichein im Austria Tirol House.

 

15 Medaillen-Gewinner im ATH

Kurz nach dem offiziellen Beginn des Programms dann der Einmarsch der Schweizer Olympia-Athleten  Viletta, Janka, Feuz, Küng & Co. Tosender Applaus, wehende österreichische Fahnen, strahlende schweizer Gesichter. Sandro Viletta kommt aus dem Lächeln nicht mehr heraus. Das gesamte Haus steht Kopf für unsere schweizer Nachbarn. Bilder, die der “Blick”-Fotograf nur zu gerne einfängt. Doch damit noch nicht genug. Die deutschen Team-Rodel-Olympiasieger bekommen Wind von der  steigenden Party ebenso wie Christoph Innerhofer, dem Doppel-Medaillengewinner aus Südtirol. Kein anderes nationales Haus durfte bislang 15 (!!) Medaillen – davon alleine acht Goldmedaillen – und deren Träger und Trägerinnen an einem Abend begrüßen und hochleben lassen. Auch wenn keine österreichische Medaille an diesem Abend zu feiern war: “Österreich beweist einmal mehr seine weltweit bekannte und geschätzte Gastfreundschaft”, freut sich der Alpin-Chef der Schweizer, Rudi Huber.

Langstielige Rosen zum Valentinstag

Wir bringen einhundert langstielige Rosen zur Bühne. Die beiden Moderatoren Lukas und Stefan bitten Christoph Innerhofer auf die Bühne. Zum Valentinstag überreicht er jenen Damen eine Rose, die sich auf die Bühne trauen, ein Bussi des sympathischen Medaillengewinners inklusive. Die Schlange ist lang, die Aktion herzerwärmend. Die Zeit vergeht wie im Flug, die Kaminlounge mehr als gut gefüllt, die Stimmung bestens. Barkeeper Stefan Köb präsentiert zum Abschluss eines mehr als ereignisreichen Tages seine Feuershow. Es ist vier Uhr morgens. Das Haus leert sich. Endlich Zeit, Pause zu machen. Die nächsten Jubelfeiern stehen an.

 

Bild oben: Jubelfeier im Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild unten: Sandro Viletta Gold-Medailiengewinner mit Tirol Tourismus-Chef Josef Margreiter (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Achter Tag der Olympischen Winterspiele, 15.02.2014

Der Große Mann im Hintergrund

Er ist zweifacher Olympionike, Beachvolleyball Vize-Europameister und Olympia-Fünfter von Peking, zweifacher Familienvater und hält sämtliche organisatorische Fäden im Bereich Marketing im Austria Tirol House fest in seinen Händen. Die Rede ist von Florian Gosch, seit drei Jahren im Team des Österreichischen Olympischen Comités.

 

Die Nächte sind seit Wochen viel zu kurz, um wirklich Schlaf zu finden. Florian wohnt mit seiner Familie im achten Wiener Gemeindebezirk, gleich um die Ecke des “Hauses der Lotterien” wo auch das ÖOC beheimatet ist. Fluch oder Segen. Nicht weit nach Hause, aber eben auch nicht weit ins Büro. 18 Stundentage sind wahrlich nicht die Ausnahme, die Familie muss viel Geduld beweisen.

 

Während der intensivsten Zeit weilt seine Familie im Ländle, bei den Schwiegereltern von Florian in Hard. Der 5-jährige Maximilian versucht sich mit seinem Opa auf den Pisten Vorarlbergs, während der Papa in Sotschi Sponsoren betreut, Sportler begrüßt, mit Anwälten verhandelt, Fahrer in ihre Dienste einteilt und Event-Tickets verwaltet.

 

Zwei Mobiltelefone und ein Laptop sind seine Werkzeuge, um den organisatorischen Aufwand bestmöglich bewältigen zu können. Der Sport hat ihn geprägt. Ruhig, fokussiert und höchst effizient geht der 196 cm große Beachvolleyballer ans Werk. Kein böses Wort, sondern klare Ansagen an seine Teams. Stets bemüht, den vielen Wünschen und Ansprüchen des gesamten Umfelds gerecht zu werden, ohne in die berühmte Durchschnittsfalle abzudriften.

Schon das Austria Tirol House in London wurde unter seiner Verantwortung organisiert. Damals jedoch unter ganz anderen Bedingungen und Voraussetzungen. “Wir hatten in London ein Haus gemietet, direkt beim Tower of London. Die Räumlichkeiten wurden adaptiert und dekoriert. Für Sotschi mussten wir erst das passende Grundstück finden und dann mit den Grundeigentümern verhandeln. Dann folgte die logistische Herausforderung, sämtliche Materialien von Österreich nach Sotschi zu bringen. 15 Sattelschlepper machten sich im November auf den Weg an die Schwarzmeerküste. “Das Projekt Sotschi ist mit Sicherheit meine bisher mit Abstand größte berufliche Herausforderung”, meint der sympathische Steirer.

 

Mit den ersten Medaillengewinnen fällt auch ihm ein großer Stein vom Herzen. Nicht nur bei den Sportlern selbst sind diese die Lorbeeren für gewaltige Trainingsleistung. Auch für die gesamte Crew des ÖOC bedeutet dies Lohn für jahrelange Vorbereitung. Vergangenen Mittwoch kam Florian mit einem Pack Karten für einen der wichtigsten Olympischen Bewerbe in seinen Händen und beglückte damit einen Großteil unserer Hostessen sowie Ernst Seidl und einem Teil seines Teams als großes Dankeschön für die ersten Tage.

 

Am 25.02. folgt Florian seiner Familie nach Hard. Ein paar Tage Urlaub im Ländle als Abrundung des Erlebnisses Olympische Spiele 2014.

Bild oben: Generalsekretär ÖOC Dr. Mennel, Tirol Tourismus-Chef Josef Margreiter und Marketingleiter ÖOC Florian Gosch (v.l.) (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Siebter Tag der Olympischen Winterspiele, 14.02.2014

Der Pater des ÖOC – Pax vobiscum

Es ist Sonntagmorgen gegen 10:00 Uhr. Ich treffe mich mit Pater Johannes Paul, Priester aus dem Stift Heiligenkreuz, um über die Möglichkeit zu sprechen, eine Heilige Messe im Austria Tirol House abzuhalten. Nur zwei Stunden später erfüllt sich für Matthias Mayer der Traum eines jeden Sportlers: Der Olympiasieg. Um 16:00 Uhr bittet der Pater per Mikrofon die Gäste des Austria Tirol House zum Gottesdienst. Mit ein paar Griffen wird das “Pressestüberl” in einen Ort der Einkehr umfunktioniert. Unter jenen, die der Aufforderung von Johannes Paul folgen, ist auch die Mutter des Olympiasiegers. Sie ist keine Ausnahme, weiß der Seelsorger des ÖOC. Er führe viele seelsorgliche Gespräche mit Sportlern, aber auch mit Familienmitgliedern, Betreuern und Fans: “Gerade auch das Umfeld der Sportler bittet um Gespräche”, erzählt der junge Priester. Erst im vergangenen Herbst ist er von dem eigens dafür zuständigen Bischof aus Salzburg zum offiziellen Seelsorger der Olympischen sowie Paralympischen Spiele bestellt worden.

Es gibt Wichtigeres als Edelmetall

Seine Aufgabe sieht er derzeit vor allem darin, alle Leute im Olympischen Corps kennenzulernen und ihnen zu vermitteln, dass es auch Dinge gibt, die wichtiger sind als Edelmetall. Getreu den Worten aus dem Matthäus Evangelium “viele von den Letzten werden dann die Ersten sein”, dürfe man auch die Schwächeren nicht vergessen. Für ihn macht es keinen Unterschied, ob ein Goldmedaillengewinner, Russischer Präsident, eine Küchenhilfe oder ein Fan vor ihm steht. Ob er denn auch Beichten abnimmt, wollte ich wissen. Johannes Paul verweist auf sein Beichtgeheimnis meint jedoch, dass auch dies zu seinen Aufgaben bei den Olympischen Spielen zählt.

 

Ein Segen für die Eishockey-Cracks

Aber auch an sportlichem Interesse fehlt es dem jungen Pater nicht: Zu seinen Hobbies zählen Skifahren, Fußball und Tennis. In seinen Jugendjahren war er sogar recht erfolgreicher Ruderer: Wiener Landesmeister im Doppel-Vierer. Jetzt freut er sich darauf, den einen oder anderen olympischen Bewerb begleiten zu dürfen. Die erste Einladung hat er auch schon: Die österreichischen Eishockey-Cracks haben Ihn gebeten, vor ihrem ersten Spiel seinen Segen zu spenden.

 

Kommenden Sonntag hält er wieder eine heilige Messe im Austria Tirol House. Hoffentlich wieder ein Gold-Sonntag für alle.

Bild oben: Matthias Mayer bei der Pressekonferenz im ATH (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild unten: Presseraum vor seiner Verwandlung (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

 

Sechster Tag der Olympischen Winterspiele, 13.02.2014

Halbzeit für das Team im Österreich-Haus

Für die meisten von uns war gestern Halbzeit des olympischen Abenteuers von Sotschi. Die ersten zwölf Tage vergingen gefühlsmäßig wie im Flug. Kaum angekommen, sehen wir jetzt schon vom Gipfel Richtung Tal. Was war das für ein Auftakt! Acht Abteilungen mit insgesamt 123 Profis wurden innerhalb kürzester Zeit zu einem Ganzen, die ersten Medaillen kamen gemeinsam mit Staatspräsidenten ins Haus. Da fällt es schwer, alle Eindrücke fest im Hinterkopf zu verankern. Laszlo Fekete, der Produktionsleiter des ORF hier in Sotschi nennt diese Erlebnisse “Magic Moments” und der Glanz in seinen Augen verrät, dass er diese intensiv verinnerlicht.

Eine starke Familie im Hintergrund ist ein wichtiges Fundament

In der Kaminlounge komme ich mit Philipp ins Gespräch, ein Kameramann, der ebenfalls seit 1. Februar bei uns ist. Seine beiden Kinder würden ihn schon sehr vermissen – umgekehrt ebenfalls. Noch nie war er so lange von der Familie getrennt, meint er nachdenklich. Sein fünfjähriger Sohn wollte ihn anfangs gar nicht gehen lassen. Dank Skype, facetime & Co sind wir mit unseren Familien verbunden. Auch meine dreijährige Tochter Flora hat beim letzten facetime-Termin Mama gebeten, den Papa am Nachmittag besuchen zu gehen. Schwierig zu erklären, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Und trotz den genannten Entbehrungen erleben wir hier den Olympischen Traum mit. Eine starke Familie im Hintergrund ist dafür allerdings ein wichtiges Fundament.

 

Polizei-Patrouillen, Sicherheits-Checks und „Magic Moments“

Wenn heute Abreise wäre, würde ich Sotschi mit folgenden bleibenden Eindrücken im Kopf verlassen: sehr freundliche und schnelle Abfertigung am Flughafen Sotschi, milde Meeresluft, leere Straßen, Polizei-Patrouillen an allen Ein- und Ausfahrten, lächelnde, englischsprechende Volunteers, freundliches Sicherheitspersonal bei den notwendigen Sicherheits-Checks, stete Überwachung, bestens funktionierendes Transportsystem, gutes mediterranes Essen, architektonisch sehr bescheidene Bauten, ein Aufsehen erregendes Austria Tirol House, begeisterte Tourismusfachschülerinnen, höchst motivierte Küchencrew, chaotische Einarbeitungstage, sehr umgängliche Sportlerinnen und Sportler, „Magic Moments“ wie die Gold-Feier von Matthias Mayer und der Besuch Putins, wenige Zuschauer bei den Bewerben, viele streunende Hunde, modernste Doppelmayr-Bahnen als Zubringer zu allen Wettkampfstätten, nicht fertig gestellte Hotelzimmer, warme Tage, kalte Nächte und viel, viel Lob unserer zahlreichen Gäste im Austria Tirol Haus. Mich persönlich hat am meisten das Lob von Dr. Dietmar Fellner, Wirtschaftsdelegierter im Außenwirtschafts-Center Moskau, gefreut, das ich stellvertretend für die Mannschaft sowohl in Sotschi als auch in Bregenz entgegen nehmen durfte: “Jetzt weiß ich, warum das Festspielhaus in Bregenz so gut läuft, so wie Sie hier arbeiten.”

 

Mit diesen Worten kann ich zufrieden und motiviert in die zweite Hälfte meiner Zeit in Sotschi starten!

Bild: Leonhard Stock, Gerhard Stübe, Hans Knauss, Armin Assinger und Egon Zimmermann (v.l.) (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Fünfter Tag der Olympischen Winterspiele, 12.02.2014

Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen

Mitten im umfangreichen Areal des Austria Tirol House befindet sich die Backaldrin-Backstube des in Asten bei Linz ansässigen Unternehmens. Schon seit einigen Jahren begleiten die Oberösterreicher den nordischen Skizirkus als Sponsoren der Biathleten und seit der Sommerolympiade 2012 in London auch das Österreichische Olympische Comité als Partner.

2.500 Stück Gebäck täglich

In der britischen Metropole war die Backstube noch in einem kleinen Raum untergebracht, in Sotschi hat man eine größere Zeltvariante gewählt: Zwei hochmoderne Öfen sowie zwei Kühlanlagen für die Teiglinge und großzügige Arbeitsplatten zum Teig ausrollen und Kneten finden darin Platz. Hermann Lang, Günter “Koxi” Koxeter sowie Manuel Hedrich verarbeiten insgesamt ca. fünf Tonnen Rohstoffe. Das meiste davon wie Mehl, Hefe, Salz, Zucker und Öl kommt aus der Region, die original Backmischungen für die über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Kornspitze kommen aus der eigenen Produktion in Asten. An die 2.500 Stück Gebäck täglich werden von den drei Meisterbäckern eigenhändig produziert. Dazu kommen ca. 100 Weggen Roggenbrot (mit einer eigens für Backaldrin angebauten Weizensorte) sowie zahlreiche Kuchen und Geburtstagstorten. So zum Beispiel gestern, als der Liechtensteiner Regierungschef Adrian Hasler zu seinem 50. Geburtstag dem Austria Tirol House einen Besuch abstattete.

 

Kindheitserinnerungen werden wach

Als ich die Backstube betrete, werden sofort Kindheitserinnerungen wach: Selbst Bäckers – Sohn, bin ich mit dem Geruch von frischem Brot und gerührtem Teig aufgewachsen. Ich nehme noch einen “Zug” guter Bäckers-Luft, bevor mich Bäckermeister Hermann einlädt, bei der Produktion von Handsemmeln mitzuhelfen. Ich tausche mein ÖOC-Outfit gegen eine Bäckerjacke und versuche mich an dem Handsemmel-Teig. Hermann schmunzelt und ich weiß, warum ich früher das Brot ausgefahren und verkauft habe und nicht selbst Bäcker geworden bin. Gerade als wir fertig sind, kommt Frau Dr. Dollinger ins Zelt. Die Ärztin und Betreuerin von Skiathlon-Athlet Johannes Dürr bittet “Koxi” um zwei Weggen Roggenbrot und einen Korb voll Kornspitz. “So wird das Heimweh kleiner”, meint die Tirolerin. Recht hat Sie. Dass unser frisches Brot eine wahrliche Gaumenfreude ist, hat sich in der Olympia-Region bereits herum gesprochen. Die Bäckermeister beliefern die Österreicher im Olympischen Dorf in Sotschi ebenso wie die Skispringer und Biathleten in ihren Unterkünften.

Und damit das Klima zwischen Deutschland und Österreich ein sehr gutes bleibt, wird auch das Deutschland-Haus mit dem gesamten Angebot aus unserer Backstube beliefert. Bierbrezel inklusive, versteht sich.

 

Bild oben: Günter Koxeter, Manuel Hedrich und HermannLang (v.l.) (© Festspielhaus Bregenz)
Bild unten: Gerhard Stübe und Hermann Lang (© Festspielhaus Bregenz)

Vierter Tag der Olympischen Winterspiele, 11.02.2014

Vorarlberger unter sich

Es ist 0:15 Uhr, kurz ins Freie und Durchatmen. Die Gäste sind beim Digestif, der Großteil des heutigen Programms im Austria Tirol House ist absolviert. Ich stelle mich an den beheizten und überdachten Stehtisch gleich neben dem Haupteingang. Frischluftoase und Raucherzone. Mathias und Martin leisten mir Gesellschaft. Das kurze „Hallo“ bringt unverzüglich deren Herkunft zu Tage: Mathias Jochum aus Schröcken und Martin Bär aus Au, beide Mitarbeiter der Firma Doppelmayr. Wir staunen nicht schlecht, dass sich unser Weg gerade hier kreuzt, 3000 Kilometer fern der Heimat.

Leben zwischen zwei Kulturen

Mathias und Martin kennen die Gegend um Rosa Khutor genau so gut wie den hinteren Bregenzerwald. Seit langer Zeit begleiten sie – wie viele weitere Mitarbeiter der Firma Doppelmayr – die enorme Entwicklung der Olympiaregion nördlich der Küstenstadt Sotschi. Martin war insgesamt bereits zwei Jahre hier in der Region, Mathias erzählt von seinen sieben Monaten in Russland. Ob sie eine Beziehung zur Bevölkerung aufbauen konnten, wollte ich wissen. Die Antwort war eindeutig: Zu den russischen Monteuren ja, zur Bevölkerung eher nein. Immer mal für zwei Monate in Russland, dann wieder für ein, zwei Wochen zu Hause, ein Leben zwischen zwei Kulturen – das prägte die letzten Monate der Beiden.

 

Mehr als dreißig Seilbahnen und Liftanlagen

Mehr als dreißig Seilbahnen und Liftanlagen wurden durch das in Wolfurt ansässige Unternehmen in den vergangenen sieben Jahren hier gebaut. Sie bestimmen das Bild des Ortes markant mit. Die letzte Bahn wurde erst vergangene Woche mit einem eigenen Notstromaggregat in den Probenbetrieb, dann – seit der Stromanschluss steht – in Echtbetrieb genommen.

 

Die Beiden lassen sich ihren Stolz nicht anmerken, aber das Funkeln in ihren Augen verrät die Zufriedenheit darüber, einen Teil der olympischen Geschichte mitgeschrieben zu haben!

Bild: Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Hier geht’s zum Interview mit Gerhard Stübe.

Dritter Tag der Olympischen Winterspiele, 10.02.2014

Was für ein Tag: Ein Stanzl für Putin und Scharfschützen am Dach

Was war das für ein Tag! Schon nach dem Frühstück im Austria Tirol House haben wir uns gefreut, dass Dominik Landertinger unser Haus mit der ersten Silbernen beehren wird. Dann durften einige unserer Mitarbeitenden unverhofft zur Herrenabfahrt, und um zirka 13:30 Uhr Sotschi-Zeit stand fest, dass wir abends die erste Goldmedaille im Österreichhaus feiern dürfen. Dies miterleben zu dürfen, die Freudenschreie der Sportler, die Tränen der Familie und Freunde, schon das hat den Arbeitsausflug nach Sotschi mehr als gerechtfertigt.

Mitten in der Vorbereitung auf die Pressekonferenz mit Dominik Landertinger platzt das Gerücht: Putin kommt und beehrt das Austria Tirol House (ATH). Ein Tuscheln und Mauscheln geht durch die Belegschaft. Präsident, Generalsekretär und Projektmanager bitten zu kurzfristig einberufenen Besprechungen. “Bereitet alles auf einen Besuch von Präsident Putin und Oligar Deripaska vor!” Tja, nur wissen wie! Brauchen wir einen separaten Raum? Will der Erfinder der Spiele in Sotschi doch lieber in der Menge baden? Brauchen wir etwas zu essen? Wenn ja, was? Zuerst werden die Projektleiter eingeweiht, dann die Küchencrew sowie die Presseabteilung.

 

Jeder Handgriff muss stimmen

Jeder Handgriff muss nun stimmen. Die Zeit arbeitet gegen uns. Der fix eingerichtete Presseraum wird in nur zwanzig Minuten in eine Dinner-Lounge umgewandelt. Einige Journalisten verstehen unser Bemühen nicht. Wie auch. Wir dürfen nichts sagen. Kurz vor 18:00 Uhr dann die Bestätigung: Putin kommt tatsächlich! Was für eine Beweisprobe für unser Haus. Was für eine Chance für den Österreichischen Tourismus! Was für ein Moment für alle Mitarbeitenden!

 

Scharfschützen auf dem Dach

Hektik möchte sich ausbreiten. Lassen wir aber nicht zu. Wie schon unzählige Male im Festspielhaus professionell abgehandelt, kommt ein organisatorischer Schritt nach dem anderen. Die vielen Gäste im Haus sehen uns nur intensiver arbeiten, bekommen jedoch nichts vom bevorstehenden Ereignis mit. An drei verschiedenen Orten sind Sitzplätze eingerichtet, die Security an sämtlichen neuralgischen Punkten des Geländes positioniert, Scharfschützen sollen sich auf dem gegenüberliegenden Dach positioniert haben.

Vladimir Putin beehrt das Austria Tirol House

Das Corps der österreichischen (Ski)-Nation versammelt sich im Public-Area-Bereich des Austria Tirol Houses. Putin-Freund Karl Schranz, Botschafterin Klestil-Löffler, Präsident Dr. Karl Stoss, Generalsekretär Dr. Peter Mennel sowie Manager Siegi Wolf stehen bereit. Dann ist es soweit. Eine Armada schwarzer Limousinen hält direkt vor unserem Haus. Die Straße ist kurzfristig gesperrt. Vladimir Putin beehrt das Austria Tirol House. Einer herzlichen Begrüßung samt brüderlicher Umarmung folgt ein Besuch bei der Zillertaler Musi, welche dem russischen Präsidenten ein Tiroler Stanzl singen. Hunderte Journalisten und andere Zaungäste aus dem ATH scharen sich um die kleine prominente Gruppe.

Gold für Matthias Mayer

Dann folgt der Gang in die Olympia Hall, wo weitere 120 Gäste der Ankunft Putins entgegen fiebern. Gemeinsam setzt man sich an einen gedeckten Tisch, Präsident Stoss übergibt das Mikrofon an Valdimir Putin. In fast akzentfreiem Deutsch gratuliert Putin Österreich zum Gewinn der ersten Goldmedaille. Nach dem Überreichen des Gastgeschenks (eine Jacke und Kappe der Österreichischen Olympia-Mannschaft), bedankt sich Putin und zieht mit dem gesamten Tross weiter. Fred, ein neuseeländischer Gast aus Bay of Islands, ruft Putin zu: “Kiwi, Kiwi”. Putin dreht sich um, geht zu dem Mann hin und schüttelt ihm die Hand. Wir wissen nicht, was Kiwi auf Russisch heißen könnte, Putin war es jedenfalls einen kurzen Handschlag wert. Man kann gegenüber Putin und seiner Politik eingestellt sein wie man will: einen solchen Moment aus organisatorischer Sicht erleben zu dürfen, ist tatsächlich ein berufliches Highlight im Leben eines Veranstaltungsmanagers. Und jetzt heißt es durchatmen, Kraft tanken, denn Matthias Mayer, unser Goldjunge wird für die Siegesfeier erwartet. Wie gut, dass ich ausgeschlafen bin!

 

Sbasiba, Vladimir Putin!

Bild oben: Pressekonferenz Dominik Landertinger (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild Mitte: Besuch Vladimir Putin (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild unten: Matthias Mayer mit seiner Goldmedaille (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Erster Tag der Olympischen Winterspiele, 08.02.2014

Nach der Eröffnung ist vor dem Event

Es ist exakt 22:44 Uhr, Ernst Seidl misst mit einer Stoppuhr die Zeit, die für das Servieren der Hauptspeise (zart rosa gebratenes Rinderfilet mit Kartoffelgratin und frischem Gemüse) benötigt wird: 26 Minuten für 190 Ehrengäste in der Olympic Hall im Austria Tirol House. Und das aus der Küche im Erdgeschoss in den ersten Stock. Der ÖOC-Caterer ist zufrieden.

 

Doch alles der Reihe nach: es ist knapp 17:00 Uhr, wir sind ca. zwei Stunden vor Öffnung des Hauses. Trotz unendlichen Bemühungen fehlen noch einige wichtige Details: Wir haben zu wenig Feuerlöscher, die Funkfrequenzen für unsere Mikrofone sind zu instabil, der unbarmherzig, seit zwei Tagen vor dem Haupteingang nicht abgeholte Restmüll versperrt den VIP-Eingang, die Anmelde-Liste unserer Ehrengäste ändert sich sekündlich und die erst in 45 Minuten angekündigten Eishockey-Cracks kommen nun doch schon früher.

Lösungen müssen her

Nun denn, Lösungen müssen her. Für den Müll findet unser technischer Leiter des Hauses, Thomas Schennach, eine sehr unkonventionelle Lösung: der berühmte Rubel rollt, ein Lieferwagen fährt kurze Zeit später vor und Bar-Chef Stefan Köb beginnt mit den Tourismus-Schülerinnen und –Schülern, die Container auf die Ladeflächen zu kippen. Ein für das westliche Auge sehr ungewöhnlicher, aber hier zu Lande sehr effektiver Vorgang. Koko, unser Ton-, Licht- und Bühnentechniker versucht sich parallel an den Funkfrequenzen, die Feuerlöscher stehen um 18:45 Uhr an deren vorgesehenen Positionen, die Eishockey-Cracks sitzen entspannt in der Kaminlounge, nur die Gäste-Liste verändert sich noch immer sekündlich.

Die Eröffnung des Austria Tirol House

Aber dann ist es endlich soweit. Das Herz der Gastfreundschaft wird als Auftakt der Eröffnung auf der Terrasse des Hauses entzündet. Die Gäste sind auf Einladung von ÖOC-Präsident Dr. Karl Stoss und seinem Generalsekretär Dr. Peter Mennel ins Austria Tirol House gekommen. Unter ihnen Sportminister Gerald Klug, Botschafterin Margot Klestil-Löffler, Deripaska`s Top-Manager aus Österreich Siegfried Wolf, Boris Becker`s Ex-Manager Ion Tiriac, ehemalige Sportgrößen wie Karl Schranz, Egon Zimmermann und Leonhard Stock, Journalisten-Legenden wie Michael Kuhn (ORF, Kronenzeitung) und Gianni Merlo (Präsident AIPS) sowie zahlreiche Vorarlberger Unternehmer-Prominenz wie Mike Doppelmayr mit Begleitung, Josef und Antonella Rupp und Dr. Peter Gaugg (BTV). Zwischen Ankunft, Begrüßung und Vorfreude auf den Abend gelingt es nur schwer, die Gäste pünktlich an ihre Plätze zu bitten. Zu groß ist verständlicher Weise der Wunsch, sich gegenseitig „Hallo“ zu sagen. Es bedarf eines kleinen Tricks, ein sprichwörtlicher Wink mit dem Zaunpfahl, um den gedrängten Zeitplan halbwegs einhalten zu können: Die Suppen an den Ehrentischen werden serviert. Der Plan geht auf, die wichtigsten Tische sind versorgt und auch besetzt, die Zeremonie kann beginnen!

“Daumen-hoch”

Es ist 23:35 Uhr. Ich mache eine weitere Runde durch das Haus, um mich bei allen beteiligten Abteilungen für den gelungenen Abend zu bedanken. Die Feuertaufe ist bestanden, die Gäste sehr zufrieden, die Stimmung sehr gut, die Sportler satt und Dr. Stoss und Dr. Mennel geben uns als Anerkennung ein unverkennbares “Daumen-hoch“-Zeichen.

 

01:20 Uhr: Nachbesprechung mit der Security-Einheit, dem Event-Management und der Technik, um die Aufgaben des folgenden Tages zu besprechen. Dann Feierabend. Das Austria Tirol House ist eröffnet und die Olympischen Spiele sind es auch. Nastrovje!

Bild oben: Gerhard Stübe und Ernst Seidl (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild Mitte: Bar-Chef Stefan Köb und die Tourismus-Schülerinnen und –Schüler bei der Müllentsorgung (© Festspielhaus Bregenz)
Bild unten: Eröffnung des Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Tag der Eröffnung, 07.02.2014

„Kannst Du Russisch?“

Was waren das für Tage vor unserer Abreise! Immer dieselben Fragen zu den gleichen Themen: Du bist noch hier? Gehst Du wirklich? Ist es nicht viel zu gefährlich? Kannst Du Russisch? Ja, ich bin noch hier, ja, ich gehe wirklich, nein, es ist mir nicht zu gefährlich und nein, ich kann kein Russisch.

Dabei haben mich ganz andere Themen beschäftigt: Vier Wochen ohne meine Familie, d.h. rund 3000 Kilometer zwischen meiner Frau, meinen zwei Töchtern (Sophia 15 und Flora drei Jahre alt) und mir! Was nimmt man an Gepäck mit, wenn die Fluglinie nicht mehr als 23 Kilogramm zulässt? Werden wir in T-Shirts arbeiten, oder doch mit Winterstiefeln? Was, wenn einer unserer vielen Mitarbeiter ernsthaft erkrankt? Können über 120 Menschen für vier Wochen auf engstem Raum überhaupt motiviert kooperieren? Fühlen sich unsere Gäste wohl? Erfüllen wir deren Erwartungen? Übertreffen wir diese? Spätestens seit den Vorträgen des Genforschers Prof. Hengstschläger – den wir noch vor einigen Wochen zu Gast im Festspielhaus Bregenz hatten – wissen wir, dass wir die Antworten für die Zukunft in der Gegenwart nicht bekommen. Wir können uns nur darauf vorbereiten, dass sie beantwortet werden müssen.

Lasst die Spiele beginnen!

Das gelingt am besten, wenn die Menschen, die im Austria Tirol House arbeiten, aus möglichst unterschiedlichen Disziplinen und Bereichen zusammengesetzt sind: Da arbeiten Starkoch und Hausmeister, Tourismusfachschüler und gestandene Manager Hand in Hand – alle Profis auf ihrem Gebiet. Viele Mitglieder unseres Teams haben bereits Olympia-Erfahrung, die sieben österreichischen und rund zehn russischen Sicherheitskräfte im und um das Österreichhaus sind eingeschult, das TV-Studio eingerichtet, genau wie unser Veranstaltungshaus. Man kann die Euphorie und die Aufregung förmlich spüren. Das Kribbeln im Bauch, das Feuer in den Augen und ein optimistisches Lächeln im Gesicht: Sotschi, wir sind gerüstet – lasst die Spiele beginnen!

 

Bild oben: Das Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)
Bild unten: Das ORF-Studio “unplugged” im Austria Tirol House (© Festspielhaus Bregenz)

Ein Tag vor der Eröffnung, 06.02.2014

Zu Gast bei Polizisten, Soldaten und Agenten

Kaum ist der Großteil der Olympiamannschaft in Richtung Sotschi aufgebrochen, stiften Drohbriefe unnötige Angst und verhelfen Trittbrettfahrern zu ihren gewünschten Auftritten. Die offiziellen Delegierten des ÖOC haben aus meiner Sicht das einzig Richtige unternommen: den Brief nicht als banal abgetan, aber auch keine Panik ausgelöst.

“Wir fühlen uns tatsächlich als Gäste”

Das Bemühen der Veranstalter um möglichst hohe Sicherheit ist immer und überall zu sehen und zu hören. Alleine die Aufstockung der Sicherheitskräfte von 37.000 auf rund 100.000 von Seiten der Organisatoren spricht für sich. Allein für das Austria Tirol House haben wir sieben österreichische und nochmal zehn russische Sicherheitsbeamte. Trotz der strengen Auflagen und Einschulungen verlieren die vielen Polizisten, Soldaten und Agenten, die eingesetzte Exekutive sowie die tausenden Volunteers in keiner Sekunde ihre Freundlichkeit und sind stets bemüht, orientierungslosen Gästen weiterzuhelfen und stehen sogar – wie man sieht – für Privatfotos stramm.

 

Die freundliche Grundstimmung schlägt sich auch eindeutig auf uns als Gäste nieder. Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen und zahlreichen Kontrollen fühlen wir uns tatsächlich als Gäste und freuen uns, hier sein zu dürfen, um gemeinsam mit unseren Sportlern die Fahnen Österreichs hoch halten zu können.

Ein unerwarteter Einstand

Apropos: Die sprichwörtliche Fahne des Austria Tirol House haben wir dann auch gleich noch einen Tag früher gehisst als geplant und das, obwohl die letzten Arbeiten am Innenleben des Hauses noch am Laufen sind. Das Telefon klingelt, Hannes Maschkan, Delegationsleiter des ÖOC, bittet spontan um Hilfe. Österreichs erfolgsversprechende “Adler” inklusive Cheftrainer Alex Pointner sind soeben gelandet und würden sich sehr freuen, vor Einzug in ihr eigenes Haus, von Seidl Catering im Austria Tirol House kulinarisch betreut zu werden. „Khond, mir sind grüscht“, heißt es aus der Küche. Das Rinderfilet mit Teigwaren wird im Handumdrehen serviert. Schlieri, Morgenstern, Diethardt & Co waren begeistert. Ein unerwarteter Einstand. Gelungen. So soll es weitergehen, so kann es bleiben!

 

Bild oben: Oleg und Pietrov, zwei Staßenpolizisten vor dem Austria Tirol House (© Festspielhaus Bregenz)
Bild unten: Die österreichischen Skispringer v.l. Michael Hayböck, Thomas Diethart, Georg Schlierenzauer, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Zwei Tage vor der Eröffnung, 05.02.2014

Köche kaufen Betten

Zwanzig fehlende Betten, Lieferschwierigkeiten und elf Paletten Lebensmittel im strömenden Regen. Die ersten beiden Tage hier in Sotchi verliefen, na ja, sagen wir einigermaßen chaotisch. Dabei hat alles noch recht entspannt angefangen: Ein sehr kurzweiliger Flug (2,5 Stunden), eine äußerst zügige Passkontrolle, gut, eine immerhin zweistündige Wartezeit auf Gepäck und die Transfer-Busse, aber alles in allem kamen wir dann zwar müde aber doch erleichtert ohne gröbere Hindernisse in Krasnaja Poljana an.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten – es fehlen zwanzig Betten im Hotel. Und damit meine ich nicht, dass wir vergessen hätten, sie zu reservieren. Nein, sie existierten überhaupt nicht. Das komplette untere Stockwerk unseres Hotels ist quasi Rohbau und unbewohnbar, allerdings hätten zwanzig Personen von uns dort untergebracht werden müssen. Unser Retter: Roman, russisch-stämmiger Logistik-Mitarbeiter unseres Caterers Ernst Seidl. Mit seinem perfekten Russisch räumte er mentale Granitbrocken aus dem Weg und überzeugte geschickt die anfänglich noch sehr zurückhaltende Hotelmanagerin innerhalb kürzester Zeit zum Kauf provisorischer Hotelbetten. So konnten mit Hilfe weiterer Köche in knapp vierzig Stunden zwanzig Betten gekauft, angeliefert sowie aufgebaut werden – und Zweibett-Zimmer verwandelten sich zu Vierbett-Zimmern. Dass die zugehörige Bettwäsche zwischen Kauf und Anlieferung zum Hotel verschwunden ist, muss wohl als russisches Schicksal abgehandelt werden.

 

Aber damit nicht genug, die Catering-Mitarbeiter retteten gestern auch elf prall gefüllte Paletten Mehl und Backmischungen: Die im strömenden Regen um 04:00 Uhr morgens mitten auf der Straße abgelieferten Lebensmittel wurden von den starken Händen der Köche von Ernst Seidl gerade noch rechtzeitig ins Trockene gebracht, bevor sich das Mehl im Regen auflösen und die Straße ins Tal hinunter fließen konnte. Nebenbei fuhren die Allrounder aus der Küche ganz Sotschi ab, um noch fehlende Hanteln für unsere Skispringer zu organisieren.

 

Naja, und so hangelten wir uns von einer Stunde zur nächsten in der Überzeugung, heute (5.2.) pünktlich zu unserem Pre-Opening für Medienvertreter im Austria Tirol House fertig zu sein.

Bild: Gerhard Stübe im Austria Tirol House (© ÖOC/Spiess Foto Tirol)

Gerhard Stübe packt seinen Koffer für Sotschi

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